29.06.2026

Du fährst zum Skifahren nach Karpacz oder für ein Wochenende nach Szklarska Poręba. Unterwegs kommst du an Schlössern mit Türmchen, barocken Kirchen und Parks vorbei, die aussehen, als wären sie aus England hierher versetzt worden. Vielleicht hältst du für ein Foto an. Und dann fährst du weiter.

Kaum jemand fragt sich, wer das alles gebaut hat. Für wen. Und warum gerade hier, in einem kleinen Tal am Fuße des Riesengebirges.

Die Antwort ist überraschend. Das Hirschberger Tal ist eine der schönsten Kulturlandschaften Mitteleuropas – eine Region, die über hundert Jahre lang die Sommerresidenz des preußischen Adels war. Die meisten polnischen Touristen fahren durch diese Landschaft, ohne zu wissen, welche Geschichten und welches Erbe sie verbirgt. Dieser Text handelt davon, was unter der Oberfläche schlummert.

Hirschberger Tal – als das Hirschberger Tal Zentrum des sommerlichen Europas war

Der historische deutsche Name der Region lautete Hirschberger Tal – das Tal von Hirschberg, dem heutigen Jelenia Góra. Es ist kein Zufall, dass in einem Tal heute etwa zwanzig Schlösser und Burgen stehen.

Am 15. Mai 1822 wählte Prinz Wilhelm, Bruder von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, das Schloss in Karpniki (Fischbach) zu seiner Sommerresidenz. Von diesem Moment an begann die ganze königliche Familie, das Tal zu entdecken. Der Herrscher selbst mochte Mysłakowice – die ehemalige Besitzung des Feldmarschalls August von Gneisenau, eines Veteranen von Waterloo. 1832 kaufte er dieses Anwesen und schenkte bald darauf seiner Tochter Ludwika die Residenz in Wojanów (Schildau).

Der König zog seinen Hof schnell an den Ort, an dem er lebte. Aristokraten, Minister, Generäle folgten dem Monarchen. Jeder wollte hier seine Sommerresidenz haben – so entstand von Generation zu Generation ein Mosaik von Residenzen, wie es sonst nirgendwo in Polen zu finden ist. Die Häuser der Hohenzollern, Schaffgotsch, Radziwiłł und Czartoryski errichteten hier ihre Schlösser. Die Gärten entwarfen die Größten – Peter Joseph Lenné, Schöpfer der Berliner Parks, und der Architekt Karl Friedrich Schinkel.

Am besten fängt dieser Geist ein Brief des Feldmarschalls Gneisenau aus Mysłakowice ein. Er beschrieb eine Feier für die Nachbarn und schrieb: Im Wald wurden sechzehn Kühe mit Glocken auf zwei Oktaven gestimmt aufgestellt, und in den Büschen versteckten sich ein Klarinettist und einige Hornspieler. Das war der Rhythmus des Lebens in diesem Tal – die Natur als Kulisse, die Landschaft als Kunstwerk.

Schlesisches Elysium – warum wurde dieses Tal das Paradies von Schlesien genannt?

Die Bewohner und Gäste des Tals hatten einen eigenen Begriff dafür: Schlesisches Elysium – das schlesische Paradies. Es war kein Marketing-Slogan. Dieses Wort wurde von Menschen gebraucht, die hier lebten und den Reichtum dieser Region kannten.

Das Geheimnis lag in der Kombination von drei Dingen: der wilden Berglandschaft des Riesengebirges, Parks im englischen Stil und Residenzen, von deren Fenstern und Terrassen man den Blick auf die verschneite Schneekoppe hatte. Die Schöpfer der Schlösser behandelten das ganze Tal wie einen großen, dezent gestalteten Garten. Es wurden Alleen angelegt, Bäume gepflanzt, Tempel der Meditation gebaut – alles, damit die Landschaft wie ein inspiriertes romantisches Gemälde wirkt.

Heute ist dieser Wert offiziell bestätigt: Elf Residenzen mit ihren Parks wurden in die Liste der Historischen Denkmäler Polens aufgenommen als eine der wichtigsten Gartenlandschaften des Kontinents. Die Idee, die ihre Erbauer um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert hatten, lautete: ein Elysium auf Erden zu schaffen, einen Ort ewigen Glücks.

Warmbrunn und Thermalbäder – wie die Deutschen Cieplice entdeckten

Bevor der Adel das Tal als Sommerresidenz entdeckte, zog ein Ort bereits seit dem Mittelalter Besucher an. Cieplice – auf Deutsch Warmbrunn, wörtlich warmes Quellwasser – ist wahrscheinlich das älteste Heilbad in Polen. Das älteste Dokument über die heißen Quellen hier stammt aus dem Jahr 1281.

Vom 14. Jahrhundert bis 1945 war die Geschichte von Cieplice mit einer Familie verbunden – den Schaffgotsch, einem der mächtigsten Geschlechter Niederschlesiens. Sie haben das Heilbad ausgebaut und europäische Eliten angelockt. Die Gästeliste beeindruckt: Johann Wolfgang Goethe 1790, König Friedrich Wilhelm III. mit seiner Frau 1800, im selben Jahr John Quincy Adams – später der sechste Präsident der Vereinigten Staaten – und 1816 Izabela Czartoryska.

Die Schaffgotsch sammelten hier Schätze, an die heute kaum noch jemand erinnert. Ihr ornithologisches Kabinett galt als die größte private Vogelsammlung Europas. Was man heute in Cieplice sieht – das barocke Schloss, den Kurpark, Springbrunnen – sind die letzten Überreste einer Welt, die 1945 von der Landkarte verschwand.

Wang-Kirche – wie eine norwegische Kirche ins Riesengebirge kam

Du stehst vor einer kleinen Holzkirche am Hang des Riesengebirges und fragst dich, ob du in Norwegen oder in Schlesien bist.

Die Wang-Kirche wurde an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert im norwegischen Ort Vang am Vangsmjøsa-See erbaut. Im 19. Jahrhundert wurde sie für die örtliche Gemeinde zu klein, die Reparaturkosten waren zu hoch – man beschloss, sie zu verkaufen. 1841 kaufte König Friedrich Wilhelm IV. das Denkmal für 427 Mark. Dank der Bemühungen von Gräfin Friederike von Reden aus Bukowiec – einer unermüdlichen Wohltäterin der Region – wurde die Kirche in Einzelteile zerlegt, über Stettin und Berlin transportiert und dann am Hang des Schwarzen Bergs in Karpacz, auf 885 Metern über dem Meeresspiegel, wieder aufgebaut.

Das Baugelände stellte Graf Schaffgotsch aus Cieplice zur Verfügung. 1842 entstand die norwegische Kirche aus dem 12. Jahrhundert im heutigen polnischen Riesengebirge – und ist wahrscheinlich der älteste Holzbau des Landes. Die gesamte Konstruktion wurde mit Zimmerei-Technik ohne Nägel errichtet.

Schlösser des Hirschberger Tals – was verbirgt sich hinter den Fassaden?

Der heutige Name der Region – Tal der Schlösser und Gärten – ist die Übersetzung des deutschen Tal der Schlösser und Gärten. Hinter jeder Fassade steckt eine eigene Geschichte und oft eine eigene Familie.

Schloss Lomnitz (Pałac Łomnica) ist ein kanariengelbes Schloss an der Bobr, das 1835 von einem gerade adelig gewordenen preußischen Beamten gekauft wurde, der neben der königlichen Familie wohnen wollte. Schloss Fischbach (Pałac Karpniki) ist ein neogotisches Schloss auf dem Wasser, die Sommerresidenz von Prinz Wilhelm. Schloss Schildau (Pałac Wojanów) ist ein Geschenk des Königs an seine Tochter Ludwika und heute das größte Schlosshotel im Tal. Jedes dieser Schlösser wurde von jemandem ganz Bestimmtem erbaut – einem Textilkaufmann, einem preußischen Aristokraten, einem Feldmarschall – und in Fassaden und Park spürt man diese Geschichte.

Tiroler Kolonie in Mysłakowice – als der König alpines Weberhandwerk holte

Wenn du durch Mysłakowice fährst, siehst du alpenländische Häuser mit charakteristischen Holzbalkonen. Woher kommen die?

Die Geschichte ist diese: In den 1830er Jahren mussten protestantische Tiroler wegen religiöser Verfolgung ihre Heimat verlassen. Sie baten den preußischen König um Asyl. Dank des Einsatzes von Gräfin von Reden aus Bukowiec – derselben, die die Wang-Kirche holte – fanden sie Zuflucht in Mysłakowice. Der König siedelte sie auf seinem Grund an, und sie bauten die alpenländischen Häuser, die dort bis heute stehen.

Zum Schluss gab es noch königliche Extravaganz. Der Thronfolger Friedrich Wilhelm IV. kaufte einem Breslauer eine riesige Walzahnkiefer ab und stellte sie am Ufer eines Teiches in Mysłakowice als eine Art Tor auf. Die Knochen sind bis heute erhalten.

1945 – das Ende einer Welt und der Anfang einer anderen

Und dann, innerhalb weniger Monate, endete diese Welt.

Das Jahr 1945 veränderte das Hirschberger Tal unwiderruflich. Die seit Generationen hier lebende deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. An ihre Stelle traten polnische Siedler – viele aus den Ostgebieten, selbst aus ihren Heimatländern vertrieben. Zwei Welten existierten eine Weile nebeneinander, bis eine verschwand.

Schlösser, Kirchen und Parks blieben. Die Menschen gingen. Jahrzehntelang lebten die neuen Bewohner zwischen einer Architektur, deren Geschichte sie nicht kannten – weil sie fremd war, deutsch – und die Zeiten waren nicht günstig, sich damit zu beschäftigen. Viele Residenzen wurden zu Lagerhallen, Schulen oder Waisenhäusern umgewandelt. Andere verfielen einfach.

Wie polnische Forscher und private Eigentümer das Erbe des Hirschberger Tals retten

Wirkliche Veränderung kam erst in den 1990er Jahren. Menschen tauchten auf – polnische Geschichtsbegeisterte, private Eigentümer, manchmal Nachfahren alter Familien – die damit begannen, das zu restaurieren, was überlebt hatte.

Das Schloss in Łomnica (Schloss Lomnitz) wurde von Nachfahren der Voreigentümer restauriert, die nach 1990 die Ruine kauften und sie Schritt für Schritt zu alter Pracht zurückführten. Heute beherbergt es ein Hotel, ein Museum und ein Kulturzentrum. Schloss Fischbach, das bis 2009 eine Ruine war, empfängt heute wieder Gäste. 2005 wurde die Stiftung Tal der Schlösser und Gärten gegründet, die systematisch weitere Objekte rettet.

Das Erbe des Hirschberger Tals ist keine abgeschlossene Vergangenheit. Es ist ein fortwährendes Projekt, bei dem Polen Geschichte eines Ortes zurückgewinnen, der ihr Zuhause geworden ist.

Schloss Pakoszów – wo Geschichte lebendiger Alltag ist

Eines der Schlösser, das überdauerte und heute noch mit seiner Architektur und Geschichte begeistert, ist das Schloss Pakoszów – früher Schloss Wernersdorf.

Es wurde 1725 erbaut, gestiftet von einem reichen Kaufmann, der mit Leinen handelte – genau der Ware, die dem Tal Reichtum brachte. Das Schloss war sowohl Residenz als auch Manufaktur: Im Erdgeschoss wurde Leinen gebleicht, im Obergeschoss gab es repräsentative Säle. Friedrich der Große war hier ebenso zu Gast wie um 1800 der gleiche John Quincy Adams, der Cieplice besuchte. Nach Krieg und Jahrzehnten der Vernachlässigung kaufte ein Nachfahre der früheren Eigentümer das Schloss zurück und brachte es wieder zu Glanz, eröffnete es als Hotel mit Geschichte.

Wenn du in Pakoszów übernachtest, siehst du die Geschichte des Hirschberger Tals nicht durch eine Scheibe. Du wirst Teil davon.

Schloss Pakoszów als Ausgangspunkt der historischen Route im Hirschberger Tal

Das Schlosshotel im Riesengebirge hat noch einen Vorteil – es liegt mitten in all dem, was du oben gelesen hast. Vom Schloss Pakoszów aus startest du zu einer eintägigen historischen Tour durchs ganze Tal: Schloss Łomnica in Łomnica, Wang-Kirche in Karpacz, Tiroler Kolonie in Mysłakowice, Cieplice mit Spuren des alten Warmbrunn. Alles in kurzer Fahrdistanz.

Hotel Schloss Pakoszów ist nicht nur eine Unterkunft im Riesengebirge – es ist der Schlüssel zum Verständnis der Region, durch die du bisher nur durchgefahren bist. Mehr über das Schloss selbst als Boutique-Hotel im Riesengebirge liest du in einem separaten Beitrag.

Plane deinen Aufenthalt im Schloss Pakoszów – Hotel mit SPA im Riesengebirge mit Geschichte im Hintergrund

Das Hirschberger Tal hat Schichten, die du an einem Tag nicht sehen kannst. Du brauchst Zeit – und einen guten Ort, von dem aus du losziehen kannst.

Das Schloss Pakoszów – Schlosshotel im Riesengebirge mit SPA, Pool und Sauna – bietet beides. Den Tag verbringst du auf der historischen Route, abends kehrst du zurück in barocke Innenräume, isst zu Abend in der ehemaligen Leinenbleicherei und entspannst im Schlossspa im Riesengebirge. Am nächsten Morgen geht es weiter, denn es gibt viel zu entdecken.

Prüfe die Verfügbarkeit und buche deinen Aufenthalt im Schloss Pakoszów → Pakete und Angebote