Manche Namen kennt man, bevor man den Ort je gesehen hat. Hirschberger Tal. Schneekoppe. Warmbrunn. Vielleicht aus dem Geschichtsunterricht, vielleicht aus Erzählungen der Großeltern, vielleicht von einer alten Landkarte im Wohnzimmerschrank.
Der Sommer 2026 im Tal der Schlösser und Gärten (Dolina Pałaców i Ogrodów) ist die Gelegenheit, diese Namen wieder mit Bildern zu füllen. Auf 102 Quadratkilometern am Fuß des Riesengebirges stehen rund dreißig Schlösser, Burgen und Herrenhäuser - eine Dichte, die es sonst nirgends in dieser Region Europas gibt. Man vergleicht das Tal mit der Loire. Und wer es im Sommer besucht, versteht sofort, warum es einst Schlesisches Elysium hieß.
Nur eines sollte man wissen: Für einen Tag lohnt sich die Anreise nicht.
Sommer 2026 im Tal der Schlösser und Gärten - warum gerade im Sommer?
Schlösser kann man das ganze Jahr über besichtigen. Aber diese Schlösser wurden zusammen mit ihren Parks geplant - und die Parks sind die halbe Geschichte.
Die Bauherren des 19. Jahrhunderts setzten ihre Residenzen nicht auf freies Feld. Sie umgaben sie mit weitläufigen Landschaftsparks, legten Alleen an, pflanzten Linden und Eichen, richteten Sichtachsen so aus, dass vom Fenster oder von der Terrasse die verschneite Schneekoppe (Śnieżka) hindurchschimmerte. Im Winter sieht man davon das Gerüst. Im Sommer den ganzen Gedanken.
Im Juli und August stehen die alten Parkanlagen in voller Blüte. Die Baumkronen bilden natürliche Gewölbe, die Teiche spiegeln den Himmel, und die Luft riecht nach Linde und frisch gemähtem Gras. Die Tage sind lang genug, um zwei oder drei Schlösser zu besuchen, ohne zu hetzen - und am Abend bleibt immer noch Zeit.
Schlesisches Elysium nannte man diese Gegend einst. Im Sommer braucht dieser Name keine Erklärung.
Sommer 2026 im Tal der Schlösser und Gärten - was sehen und in welcher Reihenfolge?
Die gute Nachricht: Die Schlösser liegen dicht beieinander, oft nur eine Viertelstunde Fahrt voneinander entfernt. Die schlechte: Genau deshalb gerät man leicht ins Abhaken. Die folgende Reihenfolge soll das verhindern - jedes dieser Häuser zeigt etwas anderes.
Schloss Lomnitz - zwei Schlösser und ein lebendiger Gutshof
Beginnen Sie hier. Schloss Lomnitz (Łomnica) erklärt am besten, was dieses Tal einmal war. Der Komplex besteht aus zwei Gebäuden: dem barocken Großen Schloss aus dem 18. Jahrhundert und dem klassizistischen Witwenhaus, beide mit ihren charakteristischen gelben Fassaden, eingebettet in einen neun Hektar großen Park am Bober.
Im Großen Schloss befindet sich heute ein Museum mit der Ausstellung „Drei Jahrhunderte Leben in Schloss Lomnitz“. Daneben liegt der restaurierte Gutshof, der wirklich lebt: ein Laden mit Leinen und regionalen Produkten, eine Bäckerei, eine Schmiede, ein Restaurant im ehemaligen Stall, Gehege mit Tieren. Wiederaufgebaut wurde Lomnitz von den Nachfahren der Vorkriegsbesitzer, der Familie von Küster, die nach 1990 die Ruine zurückkauften.
Schloss Schildau - ein Geschenk des Königs an seine Tochter
Wenige Minuten weiter, auf der anderen Seite des Bober, liegt Schloss Schildau (Wojanów). Die neugotische Residenz schenkte König Friedrich Wilhelm III. seiner Tochter Luise. Zu Gast waren hier Herrscher aus Preußen und Russland, spätere Königinnen von Schweden, Norwegen und Dänemark.
Man sollte wissen, wonach man Ausschau hält: Früher öffnete sich von der Terrasse der Blick über den Fluss bis zur verschneiten Schneekoppe. Heute verdecken ihn die Baumkronen - dafür entschädigt der sommerliche Park am Bober.
Schloss Fischbach - wo alles begann
Schloss Fischbach (Karpniki) war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Hand der Schaffgotsch. 1822 erwarb es Prinz Wilhelm, der jüngere Bruder des preußischen Königs. Dieser eine Kauf löste die Mode aus: Der Hof folgte dem Prinzen, und aus dem Hirschberger Tal wurde die Sommerresidenz des preußischen Hochadels.
Das Schloss liegt am Fuß der Falkenberge, mit altem Wassergraben und hohen Mauern. Im Sommer macht der Innenhof Eindruck.
Buchwald - das schlesische Arkadien
Wenn Sie nur einen Park sehen können, dann diesen. Graf Friedrich von Reden und seine Frau Friederike schufen in Buchwald (Bukowiec) einen der ersten und größten sentimentalen Landschaftsparks Schlesiens - über hundert Hektar mit Teichen, Aussichtspunkten und romantischen Staffagebauten.
Es gibt hier eine künstliche Klosterruine und den Athenetempel, einen Pavillon für die Gräfin, mit kleiner Bibliothek und einer Aussicht, die vom Lesen wirksam ablenkt. Im Gärtnerhaus lagerte eine Sammlung von Mineralien, Schmetterlingen und Käfern, und im Teesalon hingen zwölf Blumenbilder - für jeden Monat des Jahres eines. So sah im 18. Jahrhundert das Leben im Einklang mit der Natur aus.
Zu Gast war hier Izabela Czartoryska, die die Gegend in ihren Reiseaufzeichnungen beschrieb. Dem Ort blieb ein Name: das schlesische Arkadien.
Erdmannsdorf - Tiroler Häuser im Riesengebirge
Wer durch Erdmannsdorf (Mysłakowice) fährt, sieht Holzhäuser mit geschnitzten Balkonen, als hätte jemand ein Tiroler Dorf hierher versetzt. Genau so war es: In den 1830er Jahren siedelte König Friedrich Wilhelm III. hier protestantische Tiroler an, die vor religiöser Verfolgung geflohen waren. Die Häuser stehen bis heute.
Riesengebirge im Sommer - die Schneekoppe als Ergänzung zur Schlössertour
Das Tal hat einen Vorteil, über den selten gesprochen wird: Es endet genau dort, wo die Berge beginnen.
Das Riesengebirge im Sommer lässt sich in denselben Aufenthalt einbauen, ohne logistische Verrenkungen. Die Schneekoppe - mit 1602 Metern der höchste Gipfel des Gebirges - ist über Wanderwege ab Krummhübel (Karpacz) oder mit der Seilbahn erreichbar. In Krummhübel selbst steht die Wang-Kirche: eine norwegische Stabkirche vom Ende des 12. Jahrhunderts, 1842 von Friedrich Wilhelm IV. erworben und hierher versetzt. Die gesamte Konstruktion kommt ohne einen einzigen Nagel aus, alle Verbindungen sind zimmermannsmäßig gefügt.
Auf der anderen Seite, in Schreiberhau (Szklarska Poręba), warten die Wasserfälle des Zackens und der Kochel. Im Sommer sind das die angenehmsten Orte im Riesengebirge - in den Schluchten bleibt es auch bei Hitze kühl.
Sommer 2026 in den Bergen - mit dem Fahrrad zwischen den Schlössern
Das Tal ist wie geschaffen fürs Rad. Die Entfernungen zwischen den Schlössern sind kurz, und ein dichtes Netz landschaftlich reizvoller Nebenstraßen verbindet sie. Eine schöne Runde: Lomnitz - Schildau - Buchwald - Fischbach, mit Kaffeepause im Gutshof.
Wer mehr will, findet im Sommer 2026 in den Bergen längere Touren Richtung Rudawy Janowickie und Riesengebirge. Unterwegs: die Teiche von Giersdorf (Podgórzyn), das Naturschutzgebiet bei Buchwald, und auf dem Bober Kajakfahrten.
Räder lassen sich in einigen Häusern des Tals ausleihen.
Sommer 2026 im Tal der Schlösser - Schloss Wernersdorf als Basis für mehrere Tage
Und damit zum Kern der Sache. Man kann das Tal der Schlösser und Gärten als Reihe von Tagesausflügen abfahren - oder man wohnt in einem seiner Schlösser und entdeckt die anderen jeden Morgen neu.
Schloss Wernersdorf (Pałac Pakoszów) gehört selbst zum Tal - und zu den wenigen Häusern, in denen man mehrere Tage bleiben kann. Errichtet wurde es 1725 als Sitz eines Leinenhändlers: Im Erdgeschoss wurde Leinen gebleicht, im Obergeschoss lagen die Repräsentationsräume. Friedrich der Große war hier zu Gast, um 1800 auch John Quincy Adams, der spätere Präsident der Vereinigten Staaten. Mehr über das Schloss und seine Geschichte finden Sie auf der Website.
Heute ist es ein Fünf-Sterne-Haus mit 45 Zimmern, umgeben von 18,5 Hektar Park mit drei Teichen. Wer hier übernachtet, betrachtet das Tal nicht von außen. Er schläft in einem seiner Schlösser.
Was bietet Schloss Wernersdorf im Sommer
Ein Sommertag im Tal hat seinen eigenen Rhythmus: morgens los, nachmittags zurück, abends bleiben.
Das Restaurant Alte Bleiche - der Name ist kein Zierrat, es liegt in der ehemaligen Leinwandbleiche - serviert regionale und mediterrane Küche. Im Sommer öffnet die Rosenterrasse mit Blick auf die Berge, wo man bei untergehender Sonne zu Abend isst. Mehr zum Restaurant Alte Bleiche auf der Website.
Nach einem Tag auf dem Wanderweg oder im Sattel wartet das Schloss-Spa mit Pool und Sauna: ein Innenpool aus griechischem Marmor, eine finnische Sauna aus kanadischer Zeder, ein Ruheraum mit Panoramafenster zum Riesengebirge. Kameral, ohne Warteschlangen und ohne Gedränge an den Liegen.
Und bleibt vor dem Abendessen noch eine halbe Stunde, lohnt sich der Kachelraum im Blauen Turm - die Wände sind mit handbemalten Delfter Kacheln aus dem 18. Jahrhundert ausgelegt, jede einzelne anders.
Sommer 2026 im Riesengebirge - was noch sehen in der Umgebung des Schlössertals?
Mehrere Tage im Tal sind auch die Gelegenheit, über die Schlösser hinauszuschauen:
Hirschberg (Jelenia Góra) - der Marktplatz mit seinen Laubengängen, einer der schönsten in Niederschlesien
Warmbrunn (Cieplice) - das älteste Heilbad Polens, mit Kurpark und dem Schloss der Schaffgotsch; hier waren Goethe und John Quincy Adams zu Gast, lange bevor das Tal in Mode kam
Schmiedeberg (Kowary) - ehemalige Stollen und der Miniaturenpark Niederschlesiens, wo Sie im Maßstab 1:25 die ganze Region an einem Nachmittag sehen
Schreiberhau (Szklarska Poręba) - die Josephinenhütte (Huta Julia) mit Vorführungen der Glasbläserei und Werkstätten
Eine Liste, von der Sie ohnehin nicht alles schaffen werden. Das bleibt für den nächsten Besuch.
Das Tal der Schlösser und Gärten - Nationales Kulturdenkmal und UNESCO-Kandidatur
Dieses Tal ist keine lokale Kuriosität. 2012 wurden elf Schloss- und Parkanlagen des Tals in die Liste der Nationalen Kulturdenkmäler Polens aufgenommen - die höchste Auszeichnung, die ein Denkmal in Polen erhalten kann. Darunter Buchwald, Schildau, Lomnitz, Fischbach, Stonsdorf (Staniszów) und die Schaffgotsch-Anlage in Warmbrunn.
Die Stiftung des Tals der Schlösser und Gärten arbeitet an der Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste. Gelingt es, steht das Tal eines Tages in einer Reihe mit der Loire.
Anders gesagt: Sie sind hier, bevor es voll wird.
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Die Schneekoppe aus dem Fenster, romantische Parkanlagen vor der Tür, Geschichte beim Frühstück. Ein paar Sommertage im Tal der Schlösser und Gärten - mit einer Basis in einem Schloss, das selbst zu dieser Geschichte gehört.
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FAQ - Sommer 2026 im Tal der Schlösser und Gärten und Schloss Wernersdorf
Was ist das Tal der Schlösser und Gärten und warum ist der Sommer die beste Reisezeit?
Das Tal der Schlösser und Gärten (Dolina Pałaców i Ogrodów) ist ein 102 Quadratkilometer großes Gebiet am Fuß des Riesengebirges mit rund 30 Schlössern, Burgen und Residenzen - oft mit dem Loire-Tal verglichen. Im Sommer stehen die romantischen Parkanlagen in voller Blüte, und die langen Tage erlauben zwei bis drei Besichtigungen ohne Hetze. Elf Anlagen des Tals sind als Nationales Kulturdenkmal Polens ausgezeichnet.
Wie plant man den Sommer 2026 im Tal der Schlösser und Gärten für mehrere Tage?
Optimal sind drei bis vier Tage. Erster Tag: die Schlösser nahe Hirschberg (Lomnitz, Schildau). Zweiter Tag: Fischbach, Buchwald und Erdmannsdorf. Dritter Tag: Riesengebirge und Schneekoppe. Vierter Tag: Warmbrunn, Schmiedeberg oder Schreiberhau. Mit Basis in Schloss Wernersdorf beginnt und endet jede Route in einem Schloss des Tals.
Ist das Tal der Schlösser und Gärten im Sommer mit dem Fahrrad erreichbar?
Ja. Die Entfernungen zwischen den Schlössern sind kurz, und ein dichtes Netz landschaftlich reizvoller Nebenstraßen verbindet sie - das Tal gehört zu den schönsten Radrevieren Niederschlesiens. Möglich sind ruhige Runden zwischen den Residenzen ebenso wie längere Touren Richtung Riesengebirge. Räder lassen sich in einigen Häusern des Tals ausleihen.
Warum ist Schloss Wernersdorf eine gute Basis für den Sommer 2026 im Tal der Schlösser?
Schloss Wernersdorf (Pałac Pakoszów) gehört selbst zum Tal der Schlösser und Gärten - ein authentisches Barockschloss von 1725, in dem Friedrich der Große und John Quincy Adams zu Gast waren. Heute ein Fünf-Sterne-Haus mit Restaurant in der ehemaligen Leinwandbleiche, Spa mit Innenpool und 18,5 Hektar Park. Alle großen Schlösser des Tals liegen in kurzer Fahrdistanz.
Was kann man im Riesengebirge im Sommer rund um das Schlössertal noch sehen?
Die Schneekoppe (1602 m) über Wanderwege oder mit der Seilbahn. Die Wang-Kirche in Krummhübel, 1842 aus Norwegen hierher versetzt und ohne einen einzigen Nagel gefügt. Die Josephinenhütte in Schreiberhau mit Glasbläser-Vorführungen. Warmbrunn mit Kurpark und Thermen. Dazu die Wasserfälle des Zackens und der Kochel.
Wie kommt man zum Tal der Schlösser und Gärten und zu Schloss Wernersdorf?
Schloss Wernersdorf liegt in Petersdorf (Piechowice) zwischen Hirschberg und Schreiberhau, im Herzen des Tals. Von Breslau sind es etwa 1,5 bis 2 Stunden, von Dresden über Görlitz rund 2,5 Stunden.