Die Tiroler Häuser in Mysłakowice (deutsch Erdmannsdorf) gehören zu den ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten des Hirschberger Tals. Sie erinnern an eine Gruppe evangelischer Tiroler, die im Jahr 1837 aus religiösen Gründen ihre Heimat verließen und am Fuß des Riesengebirges eine neue Siedlung gründeten. Bis heute prägen die alpinen Holzhäuser das Ortsbild, und ein Tiroler Museum erzählt ihre Geschichte.
Wie die Tiroler ins Hirschberger Tal kamen
Im katholischen Tirol unter der Herrschaft der Habsburger gerieten die evangelischen Bewohner des Zillertals im frühen 19. Jahrhundert unter wachsenden Druck. Ein kaiserliches Dekret stellte sie vor die Wahl: zum Katholizismus übertreten oder das Land verlassen. 416 Menschen entschieden sich für die Auswanderung, 393 von ihnen blieben ihrem protestantischen Glauben treu.
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen nahm die Glaubensflüchtlinge auf und überließ ihnen einen Teil seiner Ländereien in Erdmannsdorf. So entstand ab 1837 im Hirschberger Tal eine neue Heimat für die Tiroler, weitab von ihren Bergen und doch in einer Landschaft, die dem Alpenraum ähnelte.
Zillerthal-Erdmannsdorf - eine Tiroler Siedlung in Schlesien
Die neue Siedlung erhielt den Namen Zillerthal, nach dem österreichischen Tal, aus dem die Auswanderer stammten. Zusammen mit dem bestehenden Ort bildete sie Zillerthal-Erdmannsdorf. Der König ließ für die Neuankömmlinge Wohnhäuser errichten, die dem gewohnten alpinen Baustil folgten, damit sich die Familien in der Fremde zumindest ein wenig wie zu Hause fühlen konnten.
Der Bau zog sich über mehrere Jahrzehnte. Bis 1875 entstanden rund 65 Häuser im Tiroler Stil. Ein Teil dieser Bauten ist bis heute erhalten und macht Mysłakowice zu einem lebendigen Zeugnis dieser Migrationsgeschichte.
Die Tiroler Häuser - Architektur im alpinen Stil
Die Tiroler Häuser unterscheiden sich deutlich von der schlesischen Bauweise der Umgebung. Charakteristisch sind die Holzkonstruktionen mit weit vorspringenden Dächern, umlaufenden Balkonen und geschnitzten Details, wie man sie aus den Alpentälern kennt. Beim Spaziergang durch den Ort lässt sich ablesen, wie die Familien ein Stück Tiroler Bautradition nach Schlesien brachten.
Das Tiroler Museum und das Museum des Berggeistes
Eines der Tiroler Häuser wurde zu einem Museum umgestaltet. Es dokumentiert die Ankunft der Tiroler im Hirschberger Tal und zeigt Alltagsgegenstände der Auswanderer, darunter einen originalen Tiroler Gürtel, einen Hut und Objekte des täglichen Lebens sowie Modelle des Tiroler Hauses, der Dorfkirche und des königlichen Schlosses.
Im selben Haus ist das Museum des Berggeistes untergebracht, das der Sagengestalt Rübezahl gewidmet ist, dem Geist des Riesengebirges. Die Sammlung umfasst über 850 Objekte, von Gemälden und Skulpturen bis zu Grafiken und Karten, darunter eine Figur des Berggeistes aus Meissener Porzellan.
Besuch der Tiroler Häuser - praktische Informationen
Adresse: ul. Starowiejska 14, Mysłakowice, im Hirschberger Tal am Fuß des Riesengebirges
Die Tiroler Häuser im Ort lassen sich jederzeit von außen bei einem Spaziergang besichtigen
Das Museum ist derzeit vor allem für angemeldete Gruppen zugänglich; aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise erfragen Sie am besten vorab beim Museum
Weitere Informationen zum Museum unter domtyrolski.pl
Ein Ausflug ab dem Schloss Wernersdorf
Mysłakowice liegt im selben Hirschberger Tal wie das Schloss Wernersdorf und ist mit dem Auto gut zu erreichen. Die Tiroler Häuser lassen sich bequem mit anderen Zielen der Umgebung zu einem Tagesausflug verbinden.
In der Nähe locken weitere Sehenswürdigkeiten, etwa die Burg Chojnik oder die Glashütte Julia in Piechowice. Einen Überblick über alle Ausflugsziele bietet die Seite Attraktionen im Riesengebirge.
Häufige Fragen zu den Tiroler Häusern in Mysłakowice
Warum stehen Tiroler Häuser in Mysłakowice?
Sie wurden ab 1837 für evangelische Tiroler aus dem Zillertal errichtet, die aus religiösen Gründen ihre Heimat verlassen mussten. König Friedrich Wilhelm III. nahm sie in Erdmannsdorf auf und ließ Häuser im alpinen Stil für sie bauen.
Was ist Zillerthal-Erdmannsdorf?
So hieß die Siedlung, die aus dem bestehenden Ort Erdmannsdorf und der neuen Tiroler Kolonie Zillerthal entstand. Der Name Zillerthal erinnert an das österreichische Tal, aus dem die Auswanderer kamen.
Wie viele Tiroler Häuser gibt es?
Bis 1875 entstanden rund 65 Häuser im Tiroler Stil. Ein Teil davon ist bis heute erhalten und prägt das Ortsbild von Mysłakowice.
Was kann man im Tiroler Museum sehen?
Das Museum zeigt die Geschichte der Tiroler Auswanderung und Alltagsgegenstände der Siedler. Im selben Haus widmet sich das Museum des Berggeistes der Sagengestalt Rübezahl mit über 850 Objekten, darunter eine Figur aus Meissener Porzellan.
Kann man das Museum ohne Anmeldung besuchen?
Die Häuser im Ort sind von außen frei zugänglich. Das Museum ist derzeit vor allem für angemeldete Gruppen geöffnet, daher empfiehlt es sich, den Besuch vorab abzustimmen.
Wie weit ist Mysłakowice vom Schloss Wernersdorf entfernt?
Beide Orte liegen im Hirschberger Tal am Fuß des Riesengebirges. Mysłakowice ist vom Schloss Wernersdorf mit dem Auto in kurzer Zeit zu erreichen und eignet sich gut für einen Halbtagesausflug.