Historie

Wernersdorf, ein ruhig gegliederter spätbarocker Bau zwischen Petersdorf und Hirschberg gelegen. Interessant ist die Verbindung einer schlossartigen Anlage mit funktionalen vorindustrieller Nutzung als Leinwandbleiche. Nach Stationen als Kinderheim, Privathaus ist es seit April 2012 in einer Nutzung als Hotelanlage.

Weiter unten finden Sie eine kurze Einführung in der Wernersdorfer Geschichte.

Die Wernersdorfer Bleiche

Seit dem späten Mittelalter war die Leinenproduktion der wichtigste Wirtschaftszweig des Hirschberger Tales. Dieses Leinen wurde vorwiegend in Heimarbeit von Kleinbauern, Frauen und Kindern hergestellt. Insbesondere im Hirschberger Tal webte man eine sehr feine Leinwand, die sogenannten Schleier. Für diese Schleier erteilte der österreichische Kaiser Ferdinand II. im Jahre 1630 der Stadt Hirschberg das Privileg, welches wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung des Hirschberger Tales beitrug. Im Jahre 1638 wurde eine Händlersozietät gegründet. In dieser Sozietät waren nur einheimische Kaufleute vertreten, die auch die gleichbleibende Qualität der Handelsware kontrollieren mussten.

Aus den Mitgliedern der Handelssozietät entwickelte sich eine Handelsaristokratie, die dem angestammten Adel an Reichtum und Prachtentfaltung nicht nachstand. Diese sogenannten Schleierherren ließen sich aufwändige Handelshäuser errichten, die als Warenumschlagplätze über große Lagerräume verfügten und meist im Obergeschoss Räume hatten, die vorwiegend der Repräsentation dienten. Der bedeutendste Vertreter der Hirschberger Handelsaristokratie war Christian Mentzel (1667-1748), der zu den wohlhabendsten Bürgern der Stadt zählte und wohl das schönste Haus am Hirschberger Marktplatz besaß. Christian Mentzel war wesentlich beteiligt am Bau und der Finanzierung der evangelischen Gnadenkirche in Hirschberg, eine der schönsten Kirchen Schlesiens. Er stiftete zusätzlich die Orgel, die man noch heute in voller Pracht hören und bewundern kann. 

Ursprünglich gehörte der Landsitz den Grafen Schaffgotsch. Der Umbau zum Barockschloss erfolgte 1725 durch Johann Martin Gottfried (1685–1737), später Kirchenvorstand der Gnadenkirche von Hirschberg, Schwiegersohn des Hirschberger Leinenhändlers („Schleierherrn“) Christian Mentzel. Das Schloss mit Mansarddach besitzt einen rechteckigen Grundriss mit seitlichen Vorsprüngen und hat eine spätbarocke Südfassade. Das Erdgeschoss weist ein einfaches Stuckgewölbe auf. Im Obergeschoss der repräsentativen Schlossanlage lagen die Wohn- und Repräsentationsräume mit einem großen Festsaal, dessen Decke mit allegorischer Fresken-Malerei ausgestaltet war. Der preußische König Friedrich II. hat das Schloss in den Jahren 1759, 1777 und 1785 besucht.

Die weiteren Besitzer waren Georg Friedrich Smith (1703–1757) und seit 1771 Heinrich Hess (1745–1802), Kaufmann und Direktor der Zuckerfabrik in Hirschberg. Nach diesem wurde das Schloss meist als „Hess´sche Bleiche“ bezeichnet. Das Gebäude wurde als Wohngebäude und Leinenbleiche genutzt; die Stoffe wurden im Erdgeschoss des Hauses in Bottichen eingeweicht, gespült und auf der Wiese zum Bleichen ausgelegt. Das hierfür benötigte Wasser wurde aus dem vorbeifließenden Zacken entnommen. Das erforderliche Wasserrecht wurde vom König Friedrich II. 1777 in einer Urkunde bestätigt. Das Leinenbleichen wurde im Jahre 1856 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

Zur Zeit von Heinrich und Erdmuthe Hess (1755–1808) waren im Schloss Wernersdorf viele Intellektuelle zu Gast, u. a. der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, der Riesengebirgsmaler Sebastian Carl Christoph Reinhardt (1738–1827), Hofrat Johann Joachim Christoph Bode, Kriegsrat Jonae und John Quincy Adams, der spätere Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Nach dem Tod von Heinrich Hess übernahm dessen Cousin und Adoptivsohn Johann Daniel Hess (1764–1854) den Besitz. Der spätere Besitzer, Kreisgerichtsrat Daniel Hermann Hess (1815–1884), arbeitete als Jurist in Hirschberg und nutzte das Schloss Wernersdorf als Sommerresidenz. Die letzten Bewohner waren Margarethe Drewes, geb. Hess (1872–1939) mit ihrem Ehemann Pastor Hans Drewes und ihren sieben Kindern. Die Wernersdorfer Bleiche befand sich von 1725 bis 1945 im Familienbesitz.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel 1945 fast ganz Schlesien an Polen. Die Besitzer des Schlosses Wernersdorf wurden vom polnischen Staat enteignet. Nachfolgend wurde das Schloss zunächst von verschiedenen Institutionen und zeitweilig als Kinderheim genutzt. Später stand es leer. Seit dem 1. September 1959 ist das Schloss unter der Nummer 630/619 im Denkmalregister eingetragen.

Restaurierung nach 2005 und heutige Nutzung

Der Enkel der letzten Bewohner, Hagen Hartmann (*  1941 in Breslau), konnte mit seiner Ehefrau Ingrid den ehemaligen Familienbesitz im Jahr 2004 aus polnischem Privatbesitz zurückerwerben und durch den Architekten Christopher Jan Schmidt von 2008 bis 2012 für eine Hotelnutzung umbauen, restaurieren und erweitern. Die Restaurierung des Festsaals mit seinen illusionistischen Malereien und allegorischen Darstellungen erfolgte durch den Dresdner Maler Christoph Wetzel, der u. a. auch die Kuppel der Dresdener Frauenkirche im barocken Stil ausgemalt hat. Die originale Ausmalung, die nicht mehr erhalten war, stammte u.a. vom Glatzer Barockmaler Johann Franz Hoffmann.

Die Wände der Zimmer waren mit Porträts der Bürgermeister und Patrizier von Hirschberg geschmückt. Der wertvollste Raum ist ein Wohnzimmer mit einem Kamin aus Steingut und Delfter Fliesen aus dem 18. Jahrhundert. Neben dem Schloss wurde der östliche Anbau rekonstruiert, hier entstand ein Wellnessbereich mit einem kleinen Pool. Das Schloss Wernersdorf ist von einem ca. 18,5 ha großen Grundbesitz umgeben, an der Nordseite liegen drei Seen, die früher zur Fischzucht genutzt wurden.  Die gesamte Anlage wurde am 1. April 2012 eingeweiht. Heute wird die Anlage als Schlosshotel, Restaurant und für kulturelle Zwecke von der Öffentlichkeit genutzt. Das Grundstück sowie die historisch bedeutenden Räume des Herrenhauses sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Als weitere Schritt der Kulturarbeit in  Wernersdorf ist geplant, eine Ausstellung über Produktion, Herstellung und Vertrieb der hochwertigen Leinentücher des 17. / 18. Jahrhunderts in Wernersdorf zu installieren.

bottom page
top page